Mittwoch, 23. Januar 2013

Für Zwischendurch: Eine Wienumrundung, Teil I: Freudenau - Alterlaa

Kraftwerk Freudenau - Kaiserebersdorf - Zentralfriedhof - Kledering - Laaer Berg - Oberlaa - Inzersdorf - Alterlaa

22.1. 2013. 25 km, 231 m Aufstieg. Wien XI, Wien X, Wien XXIII

Man will nicht einrosten und sich in Form für Bevorstehendes, Größeres halten. Also schiebe ich eine Wienumrundung ein.


Ich war noch nie in Donaumarina

Am Kraftwerk Freudenau
Rund um Wien gibt es mehrere Varianten für WanderInnen: Den Stadtwanderweg 10, den Stadtwanderweg 11 und den rundumadum - Weg der Uli Sima. Ich entschließe mich, auf Eklektiker zu machen und aus den Wegen zu kombinieren. Geplant sind 5 Etappen, in etwa 125 km insgesamt.
Ein Start an der Donau, gleich beim Kraftwerk erscheint mir angebracht. Die Anreise Richtung Freudenau erfolgt via U2 / Donaumarina und 80B. In Donaumarina war ich noch nie, sehr wohl aber der ÖGB, der hat nämlich seine Zentrale gleich neben der U2 Station.  Daneben ein mit Schüttbildern verziertes Parkhaus. Die Weiterreise durch den Donauhafen ist landschaftlich reizvoll, links Container, rechts Container, Containerschluchten. Das Kraftwerk Freudenau befindet sich im Winterschlaf, und der Donaukanal mündet träge in die Donau ein.


Weiter Richtung Simmering, über großzügig angelegte Überführungen, es werden nicht die letzten des Tages sein. Der Weihnachtscircus Belly bewirbt großflächig seine Vorstellungen bis Ende Jänner d.J..

 

Tag der Technologiepolitik

Sägespänesieberei und Holzmühle Hofmann
Heute schlackere ich mit den Ohren, denn ich "treffe" die ganze Zeit auf "alte Bekannte" aus dem beruflichen Umfeld. Schipanygasse, ein Stapel des Ziegelwerkes Pichler, Naturblumen Novak, Wäscherei und Färberei R. Goebel, Zinnergasse, Gadnergasse. Ein Deja vu jagt das andere.
Abgelenkt werde ich von den städtebaulichen Wundern in Simmering. Meinerseel, was ist denn den Architekten hier eingefallen - ein hässlicher Klotz nach dem anderen. Ein Klotz mutet sogar an als wäre er mit braunem Plastikfurnier verkleidet. Schön wäre es, könnte man diese Verbrechen einer Epoche zuordnen, etwa "Meinerseel, so hat man halt gebaut in den Fünfzigern!" - aber die Verbrechen ziehen sich bis ins Heute. Im Falter schreibt der junge Chorherr kürzlich, die Stadtplanung müsse aus der Vergangenheit lernen. Ja, bitte. Ein Posten der Firma Siwacht vor der örtlichen Raiffeisenkassa in der Etrichstrasse  erinnert mich daran, dass hier das "wilde" Simmering ist.
Beim Leberberg werden die Silos von Kleingartenhäusern zum ganzjährigen Wohnen abgelöst. Jede zweite Straße ist nach einem Simmeringer SPÖ-Bezirkskaiser aus der Mitte des letzten Jahrhunderts benannt, was in sich stimmig ist.
Schnurgerade geht es Richtung Zentralwerkstädte der Wiener Verkehrsbetriebe, an denen ich Richtung dem Bahnhof Kleinschwechat entlangschleiche. Die Awarenstraße und Alicestraße sind anheimelnde Gegenden Wiens, in denen der Leberberger Kleingärtner im Sommer heimlich seinen Grünschnitt ablagert. Links und rechts Industrie, zum Teil schon etwas überwuzlt, Höhepunkt ist die Holzmühle Hofmann (siehe Bild).  Aber auch "Buntmetalle Lanza" nimmt mich für sich ein, nicht nur wegen der Namensgleichheit mit dem zu früh verstorbenen Mario Lanza ("Serenade", "Der Fischer von Louisianna"), sondern auch wegen der Waschbetonfassade.  Jansky Tierbedarf, ABW Entsorgungsbetriebe, es riecht nach Kläranlage. Dann erstmals Blick aufs freie Feld, und in der Ferne der Verschubbahnhof Kledering.

 

Zwischen Zentralfriedhof und Kledering

Ich gehe entlang der Zentralfriedhofsmauer, Autos zischen an mir vorbei und ich freue mich auf den Verschubbahnhof. Andere würden den Weg durch den Friedhof wählen, aber ich will die Brücke über den Bahnhof nicht versäumen und bin wohl der erste in 2013, der über die Mylius-Bluntschi-Strasse geht. Hätte ich zu dem Zeitpunkt schon in Wikipedia nachgeschaut, ich hätte mich nicht im Geiste über den Vornamen Mylius lustig gemacht sondern ihn als Nachnamen eines der Architekten des Zentralfriedhofes identifiziert.
Der Zentralverschiebebahnhof Kledering ist ein früher Höhepunkt der Wienumrundung, Güterwagone soweit das Auge reicht. Ein Wermuthstropfen ist allerdings, dass die sensationelle Aussicht von der Brücke über den Bahnhof durch Milchglasscheiben behindert wird. Auch Geräuschmäßig macht der Bahnhof etwas her, wenn die scheinbar führerlosen Wagons über die Bremselemente des Abrollberges donnern. Im Hintergrund Windräder und startende und landende Flugzeuge runden den Ort stimmig ab.
Zentralverschiebebahnhof Kledering


Ein Sender am Laaer Berg

Laaer Berg
Der Unterschied, den Laaer Berg hinauf, zur Stimmung am Bahnhof könnte größer nicht sein. Wiener Nichts, schneebedeckte Wiesen, ein paar Hasen (die ich zuerst für kleine Rehe hielt) und Weingärten (Favoritner Satz?). Der Untergrund ist glatt und rutschig, der unsägliche Skireporter Hans Knaus würde die Verhältnisse wohl als "knusprig" bezeichnen.
Oben am Berg betrieb die Radio Austria eine Senderanlage, die ihre besten Zeiten vor langen langen Jahren gesehen haben muß, und in der Tat geht die Anlage auf den ersten Weltkrieg zurück; sie sei seitdem fast unverändert. Oben am Berg finden sich Eigenheimträume, und ich gehe durch die Sindelargasse, in der eternitverkleidete Hausfassaden noch hoch geschätzt werden.  Der Hunger meldet sich, ich würde mich über ein Gasthaus freuen, finde aber einen Anker. Vorbei an der Kolowratgasse, und der Qualtinger / Kraus klingt mir im Ohr. "Gestern habe ich mit dem Sascha Kolowrat draht, heute drah' I mit ...[ab]." Den gab's wirklich, den Kolowrat. Sachen gibt's.  Entlang des Kurparks gehe ich die Laaer-Berg-Straße hinunter nach Oberlaa, auf eine Kardinalschnitte.

Schwefel über Oberlaa

Wien. Am Ende.
Oberlaaer Wasser ist Schwefelwasser, das ist nicht zu überriechen. Die örtliche Pfarrkirche ist leider geschlossen, und so geht es ohne geistigen Einhalt hinunter zur Liesing, die munter in ihrem betonernen Bett dahinfließt und für den Rest des Tages meinen Weg vorgibt. Im Süden liegt Rothneusiedl und man fühlt sich dem Wiener Rand sehr nah. Weiter, in Richtung Inzersdorf.
Was könnte man in Wien für tolle Bildbänder gestalten! "Die 30 schönsten Autobahnunterführungen" oder "Die Sektionslokale der SPÖ Wien", ich würde sie mir alle kaufen. Rund um Inzersdorf feiern die Unterführungen jedenfalls fröhliche Urständ'. Ansonsten muß in diesen Gegenden das Auge schon geübt sein, um Punkte zu finden, auf denen es wohlwollend ruhen kann. Viel Industrie und Lagerflächen, Klosterfrau befindet sich hier und andere Pharmaunternehmen, Leuchtfabriken (Orion), ein Parkplatz der Badner Bahn. Die Fleischfabrik Inzersdorf ist zum Teilabriss vorgesehen.
In der Ferne die Wohntürme Alterlaas. Hier endet, an der U6, die erste Etappe.



Wahlkampf
Urbane Wegmacherei

Unter der Autobahn

Samstag, 12. Januar 2013

1160 - 4070: Ein Résumé. Oder der Versuch einer Vermessung

Insgesamt hat es ja vier Monate, mit vielen Pausen, gedauert, um von Ottakring nach Eferding zu gelangen. Zu Beginn war ich mir sicher: das schaffe ich in ein paar Wochen! Dann war die Überzeugung, noch weit im Herbst in Eferding anzugelangen, schließlich musste es noch eine Winteretappe sein. zunächst aber das Wichtigste in Kürze:

Ottakring - Eferding


  • 12 Etappen
  • Gesamtlänge: 313 km
  • Höhenmeter gesamt: 7.747 m
  • Distanz Luftlinie: 172 km
  • Ausgangsposition: N48 12.865 E16 20.028
  • Zielposition:   N48 18.418 E14 01.646



Etappe WegsteckekmHöhenmeter
1Wien - Rekawinkel29822
2Rekawinkel - Laaben21740
3Laaben - Wilhelmsburg321040
4Wilhelmsburg - Rabenstein21492
5Rabenstein - Texing21705
6Texing  - Scheibbs341014
7Scheibbs - St. Leonhard341420
8St. Leonhard - Böhlerwerk15357
9Böhlerwerk - Haag30491
10Haag - Enns2163
11Enns - Thurnharting33240
12Thurnharting - Eferding22363


 
  • Durchschnittliche Tagesetappe: 26 km, 645 Höhenmeter 
  • Die bewältigten Höhenmeter entsprechen in etwa der Höhe des einundzwanzigst höchsten Berges der Erde, des Kamet in Tibet. 
  • Ein hoch der ÖBB, die mich für zwölf Etappen 32 mal per Zug und acht mal mit dem Bus transportierten. 
  • Ich überschritt folgende Flüsse, nie jedoch die Donau:
    • Traisen
    • Pielach
    • Große Erlauf
    • Kleine Erlauf
    • Ybbs
    • Url
    • Ennskanal
    • Enns
    • Steyr
    • Krems
    • Innbach
  • 22 mal durfte ich  den Bahnhof Rekawinkel queren.


(Caveat: Die Karte ist nicht recht wahrhaftig, da ich beim Routen-Zeichnen auf Maps grandios scheitere. Aber es stimmt fast.)

Schließlich: Das kann's nicht gewesen sein. ich geh' wieder zurück.

Sonntag, 6. Januar 2013

Die letzte Etappe: Thurnharting - Eferding

Thurnharting (337 m) - Kirchberg (357 m) - Aichberg  - Forst - Raffelding (268 m) - Taubenbrunn (264 m) - Eferding (271 m)

11 Dezember 2012. 22 km. 363 Höhenmeter

"Nach Moskau! Nach Moskau" rufen die drei Schwestern. Ich rufe bloß: "Nach Eferding!", aber ich bin ja auch nicht Tschechow.

Was mich mit Tschechow nicht verbindet

Tschechow wäre wahrscheinlich auch nicht gegen vier Uhr früh aus seinem Bett gestiegen, hätte seine sieben Sachen zusammengepackt und wäre niemals zum Westbahnhof gefahren. Ich schon. Auch tendiere ich dazu, meine Zugverbindungen keinesfalls versäumen zu wollen und so bin ich für meinen Zug eher viel zu früh als zu spät. Der erste Zug gen Westen verlässt mit dem neuen Fahrplan Wien erst um halb sechs. Die Reise nach Linz gestaltet sich ereignislos und schlummernd. [Ein kleiner Exkurs. Meine Rückreise am selben Tag nach Wien ist deutlich ereignisreicher. Am Abend, im Großraumabteil, sitzt ein bekannter österreichischer Wirtschaftsführer mir gegenüber. Seine Ämter heute beschränken sich allerdings auf im weitesten Sinne Ehrenämter, schon auf Grund dessen, dass er vor Jahren das Pensionsalter erreicht hat. Er, der Wirtschaftsführer, reist mit seiner Frau, und diese spricht ihn nur in der dritten Person an. "Mag der Captain heute noch über den Weihnachtsmarkt bummeln oder mag er gleich ins Hotel?" "Mag der Captain heute noch seine Schwiegertochter treffen?" Beeindruckend. Ich erzähle meinem Freund P. diese Schnurre, und er meint richtigerweise, dass  die Menschen ihre Absurditäten doch besser im Schlafzimmer ausleben sollten, da gelangt man zumindest nicht in Kenntnis davon. Die Geschichte von meinem jungen, katholischen Sitznachbar, der während dieser Fahrt seiner jungen Gattin eine Powerpoint Weihnachtspräsentation (was auch immer das ist) gestaltete, lasse ich hier außen vor]

Aufbruchsstimmung in Thurnharting


Mit der Linzer Lokalbahn geht meine Reise nach Thurnharting. Thurnharting ist ein Vorort von Linz, schon unlängst als im Speckgürtel liegend klassifiziert. Es ist kalt, es ist windig und eisig, und die Wolken am Horizont versprechen Schnee. Gerade ist Biotonnenentlehrung, ich verfolge das Auto des Müllunternehmens Zellinger und den allgemeinen Aufbruch der Thurnhartinger zur Arbeit. Ein/e OberösterreicherIn, der/die auf sich hält, fährt halt spätestens um Sieben zur Arbeit. Von dieser Aufbruchsstimmung angesteckt blicke ich zurück auf den Sender Ansfelden und ziehe nach Westen. An der Ortsausfahrt ist ein größerer Bauernhof, der Christbäume feilbietet und für die hiesigen EisstockschützInnen eine Bahn aufgespritzt hat. Die Straße, der ich folge braucht nicht aufgespritzt werden um rutschig zu sein, und ich bewundere die KraftfahrerInnen, die beherzt und ohne Ketten mit Richtung Linz an mir vorbei ziehen. Es geht Richtung Kirchberg und das Wetter wird schlechter. Kirchberg, kein Juwel der Dörfer Rund um Linz, erschließt sich mir über die Sportstraße. Die Sportstraße ist, wie der Name schon sagt, gesäumt von Asphlatstock-, Tennis- bzw. Volleyballanlage und die dazugehörigen Stüberln. (Gut so, denn das einzige Gasthaus des Ortes wurde zum Gemeindezentrum umgestaltet.) Über Ortsplatz und Großharter Straße geht es weiter durch Wald und Flur nach Gumpolding, das sich etwa auf höhe von Straßham befindet.

Winter in Axberg

Endlich: Auf der letzten Etappe mein erstes Krone -Schild
Mittlerweile hat das Schneetreiben voll eingesetzt und macht das Gehen spannend. Grohart, Kleinhart, Ortsteile Axbergs. In Großhart hat sich ein Autobastler niedergelassen, dessen Sammlung sogar via Google Maps sichtbar ist. Die anderen Großharter werden es ihm wohl danken. Über die Alkovener Straße geht es weiter nach Axberg. Hier ist die Heimat des Reisetbauern, dem Brenner des Jahres 2012. Über die dortige Mostkost habe ich mich an anderer Stelle schon verbreitert. Inzwischen führt jedes Restaurant, das auf sich hält (sei es am Pogusch, der Gelbmann in Ottakring, der Schrot in Alkoven....) Produkte des Reisetbauern, und ich frage mich, ob dem Reisetbauern-Schnaps einmal das gleiche Schicksal ereilt wie jenes der Obstsorte Kiwi: nämlich das Schicksal des sozialen Abstiegs.
Das Plus des Ortes Axberg sind sicher die sprechenden Straßennamen: Apfelweg, Landlbirnweg, Kirschenstraße. Das Minus: eine den Ort dominierende 'Villa', deren Erbauer keine Geschmacklosigkeit ausgelassen und hinter verklinkerten Mauern sich unter anderem ein Badehäuschen mit dem Charme einer Bushaltestelle mit Giebel errichtet hat. Jedenfalls geht es weiter, über die besagte Kirschenstraße auf den Aichberg. Ich muss an Tschechow denken. In Aichberg residiert eine andere lokale Größe, das Wirtshaus Schober, das für mich naturgemäß geschlossen hat. Jedoch hätte ich hier gegen einen Tee nichts einzuwenden, der Winter zeigt hier, was einen Winter ausmacht.

Scharten links liegen gelassen


Verunmöglichte Landschaftsphotographie
Ab hier erhoffe ich mir nach jeder Wegbiegung einen Blick auf das Eferdinger Becken, aber so viel sei gleich verraten: Dieser Blick wird mir nicht vergönnt werden am heutigen Tage. ich fluche ein wenig, die abschüssigen Wegpassagen sind heute keine Freude. Kranzing, Forst, der Schneefall läßt nach. der Marienwallfahrtsort Scharten wird links liegen gelassen. In Forst residiert die Spitzwirtin, und ich erbitte mir bei ihr einen Kaffee, obwohl sie noch geschlossen hält. Nach kurzem Aufwärmen erklimme ich den Spitzberg, es geht weiter, an Puchham, dem Eferdinger Beckenblick und dem Firlinger Hof vorbei und am Landgasthof Reif in Richtung Staudach. Hier verlasse ich die das Eferdinger Becken einsäumenden Hügel und befinde mich in der Ebene. Hier, gleich neben der B 129, der Eferdinger Bundesstraße, die Linz mit Passau verbindet, gräbt der lokale Schotterbaron Löcher. In Raffelding über die besagte Bundesstraße, Fischer Mühle, Inn, Oberschaden, ich bin dem Ziel sehr nah. Schließlich Eferding. Ich klettere über den Gartenzaun und freue mich.



Ich möchte es nochmals machen


Montag, 12. November 2012

Die elfte Etappe: Von Enns nach Thurnharting

Eferding, erstmals urkundlich erwähnt

Enns (281 m) - Sumerauer Hof (258 m) - St. Florian (310 m) - Forstholz - Ansfelden (290 m) - Haid (277 m) - Traun (275 m) - Pasching (295 m) - Thurnharting (337 m)

10. 11. 2012. 33 km, 240 Höhenmeter

Ich reise nach Enns am Vortag an,um das Morgenlicht entsprechend nutzen zu können. Die Nächtigung erfolgt in der Pension Wall. Die Familie Wall betreibt neben der Pension auch ein Sanitärfachgeschäft, ein Umstand, der folgerichtig eine positiven Ausschlag auf die Qualität der Ausstattung des Badezimmers in meiner Unterkunft hat. (Man beachte die Anzahl der Substantive und der Genetive in diesem Satz!)
Ich bitte die sympatische Zimmerwirtin um eine Restaurantempfehlung, und es wird unter anderem die "Stadt Linz" genannt, die ein Grieche sei. Ich ziehe eine Runde über den Ennser Hauptplatz (bei weitem kleiner als der Eferdinger!), bewundere den gutsortierten Handwerksladen und studiere die Speisekarte der "Stadt Linz". Pizza, Spaghetti, Tiramisu. Ich bin verwundert und setzte meine Besichtigungstour fort, auf der ich meine Zimmerwirtin, ihrerseits über den Hauptplatz schlendernd, wieder traf.

Z: "Aber die Stadt Linz, das ist ein Italiener."
W: " Das ist ein Grieche."
Z: "Aber da gibt's Pizza!"
W: "Es ist trotzdem ein Grieche."

Sie hatte am Ende recht, die Wirtin, es gab auch Gyros. Die Kellnerin war im übrigen aus Bratislava.



Rübenanlieferung, Zuckerfabrik Enns
Danach ergebe ich mich der Ennser Hochkultur. Eine Vertonung der Nibelungensage. Wer jetzt an Richard Wagner denkt, weit gefehlt. Wiff Enzenhofer hat komponiert, und Herbert Walzl hat die Textvorlage geliefert. Die Aufführung findet in einem engen Kellergewölbe des Schlosses Ennsegg statt und ist beinahe ausverkauft. Wenn man mich fragte, wie mir die Aufführung gefallen hat, würde ich mit meinen Assoziationen an diesem Abend antworten. Ich fand mich zurückversetzt in die Rhythmusmessen meiner Volksschulzeit, an den Kirchenchor Pupping erinnert, und ich hoffte, dass dies alles eine Volte des deutschen Regietheaters sei. Kriemhild und Brünhild waren beide blond.
Am Morgen - es ist noch finster - breche ich auf. Zu Beginn bin ich noch etwas orientierungslos, aber das ändert sich schnell, und ich verlasse Enns Richtung Asten. Ich wusste schon lange, dass diese Etappe nicht von landschaftlicher Schönheit gezeichnet sein würde, und die ersten Kilometer sind ein Beweis meiner Vorahnung. Noch dazu sind meine Hosenträger material-müde, und zur großen Begeisterung der vorbeifahrenden KraftfahrerInnen habe ich hier an der Landstraße diesen Schaden zu beheben.
Ich würde heute mehrmals die A1 überschreiten. Aber eine besondere Freude ist es mir, dass ich das erstmalig in unmittelbarer Nähe der Eckmayr-Mühle und somit des Hartlauer-Turmes tue. Der Löwe brüllt dort zumindest seit 1982. Es geht weiter in Richtung St. Florian.
Vorher gehe ich aber noch am Sumerauerhof vorbei. Der Sumerauerhof ist ein riesiger Vierkanter, der bis in die Siebziger bewirtschaftet war und mittlerweile eine Außenstelle des OÖ Landesmuseums ist. Heuer stand hier eben der "Vierkanter" im Zentrum des Interesses. Bei meinem Vorbeimarsch war die Ausstellung schon geschlossen.
Das Modell der Pummering
Achtung! Wanderer.
Leute, die es wissen müssen - ich hoffe, ich gebe die Geschichte jetzt richtig wieder - behaupten, dass in St. Florian die größten Bauern bzw. Bäuerinnen ('groß' im Sinne von 'Joch') zu Hause sind. Demzufolge seien die JungbäuerInnen aus St. Florian am Hochzeitsmarkt auch entsprechend beliebt. Einmal im Jahr, zur Mostkost beim Schober in Aichberg (siehe nächste Etappe) - oder war es die Mostkost beim Reisetbauern, hier verschwimmt die Erinnerung - gebe es dann eine  Beschau für entsprechend Interessierte. Zum gruseln, wenns wahr ist.
 St. Florian ist aus mehreren Gründen bekannt: Das Chorherrenstift, Anton Bruckner respektive die Brucknerorgel (7.389 Pfeifen!), die ehemalige Glockengießerei, quasi die Mutter der neuen Pummerin (das Modell existiert, wird aber eher verschämt präsentiert). Eferding sendet hier in Florian schon seine ersten Vorboten aus - im Kaffeehaus liegt das "Eferdinger Stadtgeflüster" auf.
Ich lasse Anton Bruckner links liegen und marschiere weiter. Eigentlich lasse ich Bruckner rechts liegen, aber das ist was für I-Tüpferl-ReiterInnen.

Ein Waldstück! Ich gehe durch Forstholz, und in der Ferne höre ich WaidmännerInnen ihrem geschäft nachgehen. Hier folge ich dem Anton-Bruckner-Symphonien-Weg (mit Schautafeln). Ein weiteres Schild warnt vor Existenzen wie mir (s.o.).

Ansfelden
Ansfelden ereiche ich über die Himmelreichstraße. Der Ort ist nach Selbstzuschreibung ein Zentrum der Hip Hop Kultur. So wird etwa am 17. des Monats im Anton Bruckner Centrum (kurz ABC) gebattelt. Ansfelden liegt, wenn man so will, im Städtedreieck Linz - Wels - Steyr und liegt an den Autobahnen A1, A7 und A 25. Und, sind wir uns ehrlich, auch der/die gelernte OberösterreicherIn würde Ansfleden nicht kennen, wenn hier nicht eine Autobahnraststätte und ein großer Sender angesiedelt wäre. Ich habe ja als Kind einmal bei der KRONE - Ferienaktion teilgenommen und eine Besichtigung der Sendeanlage Ansfelden gewonnen. Interessanterweise nahmen  an der Besichtigung nur Knaben teil.  Ich erinnere mich an vier große Schüsseln, und bei einer sagte der Führer geheimnisvoll: "Ich darf euch nicht sagen, wozu diese Schüssel dient." Na, frage nicht - das Knabenherz war beseelt. Der örtliche Wirt diversifiziert und bietet österreichische, italienische und indische Spezialitäten. (Eine Kombination, die sich auch in Ottakring findet. Ich bin noch nicht dahinter gekommen, was hier die Klammer bildet.)
Letztendlich ist heute zu Ansfelden nicht mehr zu sagen, als das, was man sich von Ansfelden im Vorbeifahren vorstellt, plus eines Hotelleitsystems.
Jetzt beginnt der wirklich herausfordernde Teil der Wanderung. Ich zweifle, ob ich nach meiner Planung nicht irgendwo auf einer Autobahn ende und die Tatsache, dass die Umfahrung Haid-Ansfelden auch einen Gehsteig hat, macht mich glücklich. Allerdings verstehe ich AutofahrerInnen, die mich bei meinem Tun etwas verständnislos beobachten, nur zu gut.
Ich komme nach Haid. Haid ist auch nicht besonders schön. Ich quere die Traunauen und lande in der namensgebenen Stadt.

Schönheit der Landstraße (bei Traun)

Traun, Ketchup- und Senffarbene Plattenbauten säumen meinen Weg. Zu den größten Töchtern/ Söhnen Trauns gehören Theresia Kiesl, Landeshauptmann Josef Pühringer und Seidl Harald, Ing. Letzterer ist amtierender Bürgermeister. (Die Unkultur, bei der Vorstellung einer Person den Vornamen nach dem Nachnamen zu nennen findet sich hier nicht nur in den email-Adressen des Stadtamtes, sondern auch am Friedhof.) Und überhaupt, Namensgebungen. Ich kann mich des Eindrucks nicht verwehren, dass oberösterreichische LokalpolitikerInnen mit der Vergabe von Straßennamen überfordert sind. "Sonnenweg", "Neubauzeile" oder "Brucknergasse" zeugen von einer endend wollender Phantasie. Aber halten wir dagegen. Während "Hopfenweg" nur gelinde besser als "Stelzhammerstraße ist", braucht es für "Laternenring" schon eine ordentliche Portion Phantasie. Und, was ich dem / der oberösterreichischen PolitikerIn ins Stammbuch schreiben möchte: bevor ihr das nächste mal ein Straßerl "Urnenhainenweg" benennt, macht bitte eine AnrainerInnenbefragung.


Überschreitung der Krems

Ich quere in weiterer Folge den Flughafen Linz Hörsching (LNZ) leicht östlich und warte vergeblich auf startende oder landende Verkehrsmaschinen. Die Bürgerinitiativen in die Linzer Einflugsschneisen haben eher einen Erklärungsnotstand.


Pasching würde man ohne Fußball nicht kennen. Nicht ohne Fußball und dem dazugehörigen Paschinger Waldstadion.Ist man erstmalig in Pasching, kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass die Tatsache, dass 'Pasching' einstmals in der ersten österreichischen 1. Division spielte, ein Irrtum der Geschichte war. Es folgt ein kleiner aber feiner Anstieg in Richtung Turnharting, das im Linzer Speckgürtel liegt. Das Reihenhaus hier hat quasi Wiener Preise. 100 m2 Wohnfläche um wohlfeile 350.000 € sind keine Okkasion. Ich überlege kurz, noch den Weg Richtung Eferding einzuschlagen. Aber es sind noch 17 km und es ist halb drei. Ich freue mich dann doch zu sehr auf eine Jause irgendwo entlang der LILO.


Hier nächtigte ich nicht.
Die ArchitektInnen der LILO haben keinen Sinn für Romantik.

Donnerstag, 8. November 2012

Die Klammer - Teil IV: Religiöse Kleindenkmäler

Religiöse Kleindenkmäler am Weg
Auf meinem Weg gibt und gab es eine große Anzahl von religiösen Erinnerungsstätten, die in ihrer Gestaltung durchaus als heterogen zu bezeichnen sind. Das spiegelt sich auch in den Begriffen wieder, die für diese Erinnerungsstätten  verwendet werden: Marterl, Flurkreuz, Wegkreuz, Bildstock, Pestkreuz, Relieftafelsäule, Nischen-, Lauben- oder Tabernakelpfeiler, Pfeiler- und Säulenbildstöcke, um nur einige zu nennen.  Gemeinsam ist ihnen, dass sie ein beeindruckendes Zeugnis der Volksfrömmigkeit ablegen.
Beginnen wir mit dem banalen. Solche, wir nennen es wegen der Eingängigkeit des Begriffes in weiterer Folge 'Marterl', sind oft in Wanderkarten verzeichnet und wann der Wanderer, die Wanderin nicht mehr weiß, wo oben oder unten ist, ist so ein Kreuz auf der Karte durchaus hilfreich. Auch glaube ich nicht der langläufigen Volksmeinung, dass es auf Pilgerwegen besonders viele religiöse Kleindenkmäler gebe; ich fand zum Beispiel, dass die Haager besonders fromm sein müßten - dort war alle 200 Meter ein Marterl zu finden.

Versuchen wir eine eigene Klassifikation dieser Marterl: 

  • Es gibt kapellenartige Marterl ("Heiligenhäuser"), einige sogar mit wenigen Sitzbänken im Innenraum; der Regelfall sind solche großen Marterl allerdings nicht.
  • ich würde gerne zwei große Gruppen identifizieren: (i) das Holzkreuz und (ii) Kleinsthäuser mit drei Mauern und einer schmiedeeisernen Front.
  • Die Kleinsthäuser sind oft einem Hof zuzuordnen, das Holzkreuz ist oft am Weg zu finden.
  • Im Inneren des Marterls befindet sich eine Statue oder ein Votivbild.
  • In der Regel sind alle Marterl der Jungfrau Maria geweiht. Hier zeigt die Volksfrömmigkeit wenig Phantasie.
  • nur auf wenigen Marterl sind erklärende Plaketten - etwa: zur Erinnerung an Hans Hofer, der hier am 4. Februar 1921 von Mörderhand etc. etc. - angebracht.
  • Die Innengestaltung der Marterl ist eher konservativ. Oft findet man schon brüchige gehäkelte Spitze und die Seidenblumen sind auch schon vergilbt. Allerdings gibt es nicht wenige Marterl, die frisch renoviert und herausgeputzt sind. 
  • Nur wenige Marterl zeichnen sich außen durch Kniebänke aus.
  • Fast alle Marterl sind gepflegt; das zeigt dass das Marterl nicht im "okema" ist.
  • Und: Ja, ich weiß, "Marterl" kommt von Marter und ist so gesehen ein sehr einschränkender Begriff - aber meines Erachtens weit gängiger als "religiöses Kleindenkmal". 

Es gab einige Versuche, diese Martel zu katalogisieren, zb. der Leitfaden zur Klein- und Flurdenkmaldatenbank des Niederösterreichischen Bildungs- und Heimatwerkes. Der Leitfaden hat immerhin über achtzig Seiten und einen einseitigen Entscheidungsbaum um zu erkennen, ob es sich nun um einen Bildbaum, einen Kapellenbildstock, um einen.... etc. handelt. Es gebe schon schöne Hobbys.



Sonntag, 28. Oktober 2012

Die zehnte Etappe - von Haag nach Enns

Stadt Haag (346m) - Seggau - Zain - St. Valentin - Langenhart - Wimm - Ennsdorf - Enns (283m)

26. Oktober 2012. 21 km, 63 m Aufstieg, 108 m Abstieg

Der Weg ist selbstdesignt und versucht, Bundesstraßen zu umgehen. Er führt über die Moststraße und teilweise über den Mostviertelrundwanderweg. Ausschließlich ziehe ich über Asphalt und über Feldwege. Ich beginne, von den äußeren Umständen immer eingeschränkter zu werden. Es wird früher finster und später hell. Es kommen jene Flüsse - Enns, Traun, Ennskanal - die ich beim besten Willen nicht furten könnte. (Gut, ich hätte nicht einmal die kleine Erlauf gefurtet). Es werden Geländeeinschränkungen - A1, Westbahn - wichtiger; gut, nicht dass ich bis dato frei durch die Wildbahn spaziert wäre, aber das sind alles zu berücksichtigende Faktoren.

Fit mach mit

Ich übernachte - wegen der einfacheren und kürzeren Anreise - am Abend zuvor in Oberösterreich und fahre morgens gen Haag. Durch den Feiertag ist allerdings der Morgenzug gestrichen und ich erreiche Haag erst nach neun Uhr.
Tag der Fahne
Feiertag, Nationalfeiertag. Der Begriff "Fit mach mit" ist meiner Erinnerung nach mit Ilse Buck konnotiert, andererseits mit Wandertagen, die zum Teil immer noch stattfinden - und nicht unbedingt am Nationalfeiertag - aber keine Massenveranstaltungen mehr sind. Also gehe ich mit gutem Beispiel voran und mache mich auf meine zehnte Etappe. Hans Werner Scheidl, der sich in seinem journalistischem Ausgedinge in "Der Presse" der Zeitgeschichte zugewandt hat, beschreibt die Fitmärsche als Hysterie (450.000 Teilnehmerinnen Mitte der Siebziger), was nur mehr von der Begeisterung für die Heeresschauen der letzten Jahre übertroffen werde, angeblich mehr als 700.000 BesucherInnen steigen sich dort auf die Zehen (und in der Tat sitzt mit mir im Zug in der früh ein Pensionist, der in Richtung Wiener Heldenplatz aufgebrochen ist). By the way, warum ist das eine bei Scheidl (von der Republik im übrigen mit der selben hohen Auszeichnung - Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst - bedacht wie Johann Grander) eine Hysterie und das andere bloße Begeisterung?
Insgesamt zähle ich an diesem Tag 21 beflaggte Häuser, ein städtischer Trend, denn an keinem Bauernhof auf meinem Weg findet sich der rot-weiß-rote Fahnenschmuck. Es wäre vermessen, hier ein Muster ableiten zu wollen. An einer der Autobahnunterführungen, die ich quere,  hat ein Graffiti - Künstler wiefolgt verewigt: "Ich werde schreien bis die Fahnen brennen!" Ob dies eine Unmutsäußerung der Landjugend ist, sei dahingestellt.

Seltsame Männer in Sankt Valentin

Um mein Mittagsmahl einnehmen zu können mache ich einen Umweg durch St. Valentin - Ort. Die St. Valentiner verstören mich. Nicht, dass die Häuser nicht gepflegt und die Gärten von herbstlichen Laub befreit wären. Nicht dass sich die Häuser in St. Valentin sehr von Häusern, sagen wir in Laaben, sehr unterscheiden würden, im Gegenteil, sie wären austauschbar. Ich reite also in St. Valentin ein und sehe bei einem der ersten Häuser, wie ein älterer Herr in seinen Sechzigern, gewandet in einem typischen Freizeitanzug (nämlich einem Trainingsanzug) auf den englischen Rasen seines Vorgartens uriniert. Leicht beschämt blicke ich zu Boden, nicht ohne mich verstohlen zu vergewissern, dass das alles wahr ist. Keine 300 Meter später erfreut der japanisch anheimelnde Garten eines Vierkanthofes mein Auge. Und wieder. Der hauseigene Großvater (Umschreibung der Person)  nestelt an seiner Hose um gewisse Dinge rasch zu erledigen. Und beide eher mittig, nicht am Rande des jeweiligen Gartens. Vielleicht sucht St. Valentin zur Zeit eine massive Blasenschwäche heim.

In der Taverne

 Ich brauche nicht lange zu suchen, um ein mich ansprechendes Gasthaus zu finden, die 'Taverne' St. Valentins. Ich widerstehe der angebotenen Maurerforelle auf der Karte und entscheide mich für eine Hasensuppe, kurz und griffig am besten mit einem Hasengulasch (eher auf der Preiselbeerseite) zu umschreiben. Obgleich mich ein Schrotkorn und seine Auswirkungen seitdem quälen bereue ich den Besuch nicht. Auf meine Frage, ob es auch eine Nachspeise gebe war die Amtwort "In St. Valentin woins ka Nochspeis!". Aso.

Der letzte lebende Fan von Bimbo Binder

Der Grund für meine Freude über die Auswahl des Gasthauses ist schlicht der dort ansässige Stammtisch. An diesem springt man innert wenigen Minuten, ich möchte fast sagen Sekunden, von 'Rapid', zum 'ORF', zum 'Spritzen der Wintergerste', zu unaussprechlichen 'Themen', zu 'Viagra', zur 'Luftschutz-Res'', zur 'Reeperbahn', zum 'Aufwärmen von Eierspeisen', zur 'Sauna'. Die Werbeaktion für die "Nackten Männer" im Leopold Museum durfte nicht fehlen.
Versuchen wir die Themen in ihren Höhepunkten zusammenzufassen.

  • Heute fahre man jedenfalls nicht man gerne zu Rapid-Matches. Als der Bimbo Binder noch gespielt hätte, das wäre was ganz anderes gewesen. [Binder hat 1949 sein letztes aktives Speil für Rapid bestritten, Anmerkung des Autors].
  • Rudolf Edlinger sponsere Rapid. Mit diesem Sponsoring sei das Unglück über Rapid hereingebrochen.
  • Die seinerzeitige Reise nach Hamburg mit dem St. Valentiner Musikverein sei etwas ganz besonderes gewesen. Höhepunkt: Die "Luftschutz-Res'" hätte man auf der Reeperbahn mit den Inhhalt eines "Scherbns" überschüttet.
  • Wintergerste sollte man jetzt spritzen und somit vom Unkraut befreien, bei Wintergetreide genüge das Frühjahr.
  • Ein Vertreter der Runde geht gerne in die Sauna. Zu diesem Behufe nehme man einen Topf warmer Kartoffeln ("im Kelomat bleibns woarm"), und den Speck vom Wagner ("Speck wia ein Butter") mit. Das würde den Saunabesuch abrunden.
Sprachlich bin ich jedenfalls angekommen ("der Wennler Liesi ihren Bruada die Schwägerin"); der Stammtisch könnte genauso in Eferding residieren.

Die Landschaft verändert sich

Ja, ich gebe es zu. Ich halte immer noch nach dem perfekten Vierkanter Aussicht. Ich finde ihn nicht, obwohl das vor mir liegende Sankt Florian angeblich die Hauptstadt der riesigen Vierkanter sein sollte. Was mir auffällt: Man verputzt am Bauernhof nicht gerne, und so ist die Fassade der Vierkanter, an denen ich vorbeikomme, oft aus Ziegeln. Ich grüble darüber nach und komme darauf, dass auch mein Nachbar in Eferding eine oder zwei Seiten seines Vierkanters in Backsteinen belassen hat. Also: Keine Besonderheit, es gibt's auch im Zentralraum. Aber: Im Zentralraum gibt's die Ziegelfassaden nicht so häufig.
Erste Spuren der Industrie
Ich begegne auch keinen Kühen mehr und rufe die Statistik Austria (heute, im Internet) zur Rate. Meine Hypothese: Die Kuhhaltung nimmt, wenn man hier nach Westen zieht, ab. Die Schweinehaltung nimmt zu. Obwohl die Statistik Austria die Daten wunderbar graphisch aufbereitet hat, finde ich keine Hinweise, um meine These zu falsifizieren oder zu verifizieren. Aber anekdotisch habe ich recht - seit ich mit Freunden einmal gleich links vom Trasimenischen See neben einem Schweinestall Urlaub machen wollte, habe ich eine Nase. Mein Freund D. sei mein Zeuge.
Abseits der Landwirtschaft muss mir bewusst werden: Jetzt beginnt der Weg, der mich an industriellen Nutzbauten und ihren Produkten vorbeiführt. So komme ich am Firmengelände der Atlas Power Crusher vorbei, die Brechanlagen erzeugen. Das erfreut das infantile Element  in mir.
Auch sehe ich meine ersten Lagerhaustürme.

Liebreizendes Wimm!

Liebreizendes Wimm! Ich durchschreite Wimm und erfasse es, von Wimm 1 bis Wimm 9. Den Nahverkehr übernimmt die Firma Deuschl, und jeden Sonntag gibt es Flohmarkt. Ich erkenne in der Ferne den Hartlauer Turm, den jeder, der entlang der Westautobahn reist, muss ihn kennen, und zum ersten mal erblicke ich ihn von hinten.

Die älteste Stadt Österreichs

Wo werde ich die Grenze zu Oberösterreich überschreiten? Woran werde ich sie (die Grenze) erkennen? An einem OKA - Umspannwerk? An der Zunahme der Linz-Land-Kennzeichen? Oder hat Erwin Pröll blau - gelbe Streifen an der Grenze angebracht? Mit ein bisschen Überlegen hätte ich voraussehender sein können. Zum Beispiel durch einen Blick auf die Landkarte. Oder mit dem Kramen in meiner Erinnerung, dass die Grenze zwischen NÖ und OÖ der Ennsfluß ist. Jedenfalls, vor der Brücke, sind zwei unübersehbare, ja, Denkmäler. Zuerst das blau/gelbe für Niederösterreich, dann jenes aus Granit für Oberösterreich. Am zehnten Tag überschreite ich also die Grenze zu OÖ.
Enns ist die älteste Stadt Österreichs und wirbt schamlos damit. Man sollte hier auch an die zweit- (Wien) und drittplatzierten (Eferding!!) denken. Beim Überschreiten der Ennsbrücke finde ich einen Gedenkstein. Er erinnert daran, dass hier bis August 1955 die russischen Besatzungsmächte stationiert waren, die Brücke teilte die Besatzungszonen. Der Stein fördert wiederum meine Erinnerung, warum am 26. 10. Nationalfeiertag ist....
Woran Enns noch arbeiten sollte ist die Ausschilderung des Bahnhofes. Die Bijouterie Gablonzer oder die Jausenstation Waldhäusl wird mit einem Schild bedacht, der Bahnhof Enns aber nur einmal und das auch eher verschämt. Grund genug, mit dem Bus nach Hause zu reisen. Dabei reise ich an der Zuckerfabrik Enns vorbei und erkenne, dass meine Oma mich nicht angelogen hat: Die Zuckerrüben, die reisen nach Enns.

Montag, 22. Oktober 2012

Die Klammer - Teil III: Spritzengemeinschaften und ihre Häuser

Nach einigen Recherchen habe ich einen groben Überblick (oder eigentlich: den gröbsten aller Überblicke) über das österreichische Feuerwehrwesen gewonnen.  Der Begriff "Feuerwehr" existiert erst seit Mitte des vorletzen Jahrhunderts. Zur Zeit gibt's in 4.528 österreichischen freiwilligen Feuerwehren  > als 300.000 Mitglieder. (In Niederösterreich gibt's doppelt soviel freiwillige Feuerwehren wie in Oberösterreich.) Interessanterweise heisst das dass es im Durchschnitt zwei Feuerwehren pro Gemeinde gibt. Die Mitgliederentwicklung ist ansteigend.
Was mich fasziniert: Die opulenten Ausgestaltungen der Feuerwehrhäuser. In Orten mit gefühlten 200 EinwohnerInnen gab es Platz für 6 Einsatzfahrzeuge (ich überzeichne). Und: Auf den ersten Blick ist ein Feuerwehrhaus von einer Kapelle schwer unterscheidbar.

An einem Feuerwehrfest bin ich leider nie vorbei gekommen. So ein Brathendl wär dann doch höchst willkommen gewesen.